Grüne Stadt
Der Grüne Gürtel um die Stadt – ein Preistreiber?
Grüne Gürtel um die Stadt sind zu erst einmal etwas Positives. Nachhaltigkeit, Biodiversität und zentrumsnahe Erholung sind gute Eigenschaften. Künstliche Verknappung von Grund und Boden führt allerdings zu ungewollten Preissteigerungen.
Wir nehmen einmal an, dass wir in einer Stadt leben, die unter der tatkräftigen Regie des Bürgermeisters wächst und immer bedeutsamer wird. Um ein endloses, eng aneinander gereihtes Häusermeer zu verhindern, soll ein grüner Gürtel um die Stadt gelegt werden. Das ist eine mögliche und weit verbreitete Maßnahme der Stadtbegrünung und insbesondere des Erhaltes der Natur im urbanen Raum. Der Ruhepol der Stadt. Geschäftigkeit ist im inneren Kreis, gemütliches Wohnen an den Außenrändern des Rings, die Industrie am besten hinter einem weiteren grünen Ring.
Doch vielleicht sind nicht alle Stadtbewohner glücklich mit diesem Vorschlag, denn langfristig werden auch die Preise in der Stadt steigen: Der grüne Ring hält von nun an die verfügbare Baufläche in der Stadt konstant, unsere Stadt ist aber im Wachstum. Eine steigende Nachfrage sieht sich demnach einem konstanten Angebot gegenüber. Das Angebot wird die Preise anheben, damit sind Nachfrage und Angebot wieder im Einklang – Nur: Das Waren- und Wohnangebot ist nicht so diversifiziert wie es sein könnte. Es geschieht also folgendes:
Die einen wollen ein Leben ausserhalb der City, für sie ist alles bestens. Die anderen aber eben nicht. Unsere Stadt befindet sich aber im Wachstum, somit drängen immer mehr Mietwillige in den Stadtkern. Normalerweise würden sie einfach ein Stück weiter weg von der City ziehen und diese quasi im Laufe der Zeit ausweiten. Das geht jetzt aber nicht mehr. Ein kontinuierlich absinkender Preispfad von City hin in die Randbezirke ist nicht mehr möglich. Man hat einen Bruch geschaffen. Man kann nicht mehr frei wählen, wie weit man in die Stadtmitte hineinziehen möchte, sondern nur noch ob man innerhalb oder ausserhalb der Stadt leben möchte. Und ausserhalb ist eben Grund verschieden zum Citylife. Der innerstädtische Grund wird wertvoller, weil er künstlich verknappt und der bestehende Baugrund qualitativ höherwertig wird.
Stellt man sich einen durchgehenden Preissreifen vor. Im Stadtzentrum dunkelrot und am Rand des städtischen Verwaltungsgebietes weiss. So ist jetzt noch, also vor dem Grünen Ring, an der Stelle, an der der Ring sein soll, ein Orange zu sehen, das ganz langsam stadtauswärts in weiss übergeht. Der Grüne Ring wird den Preisverlauf trennen, und zwar von dunkelrot bis nunmehr hellrot und dann wieder Stadtauswärts von gelb bis weiss. Die ganze Orangepalette wird fehlen.
Das hat nicht unbedingt etwas mit der Verknappung der Fläche an sich zu tun, sondern in der Verknappung der ehemals mittelpreisigen Flächen, da diese schlicht fehlen und die Flächen im Kreis aufgewertet wurden. Würde man dieselbe Fläche anders, insbesondere verteilt über die Stadtfläche begrünen, bzw. renaturieren käme ein ganz Ergebnis heraus. Der ökologische Nutzen kann auch ohne größere ökonomische Verwerfungen stattfinden.
Die Frage ist natürlich immer, ob die Verteuerung nicht doch gewollt ist. Wenn die Stadt es schafft der teueren Stadtmitte im Ring noch das Prädikat „Exklusiv“ anzuheften, dann kann das auch ökonomisch Sinn machen. Das ist aber eine Frage der Alternativen städtischer Angebote in der Region. Wenn man ein Preiskontinuum in zwei Teile zerlegt, dann werden die jeweiligen Enden im Schnitt stärker und der Mittelteil löst sich auf.
Stadtbegrünung liegt im Zeichen der Zeit, sie kommt immer stärker, es gibt aber unterschiedliche Arten die Ziele von mehr Nachhaltigkeit, besserer Luft, Erhöhung der Biodiversität und grüner Naherholung in die Stadtentwicklung mit aufzunehmen. Grüne Stadt ist gut – grüner Ring muß gut überlegt sein.
Alexander Venn, Juni 2009


