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Regionalbörsen führen Städten und Regionen patriotisches Kapital zu

Informationsportal: Urbanisierung & Stadtentwicklung & Grüne Stadt ___________Saturday, 31 . Jul . 2010 | KW30

Kurz notiert

Regionalbörsen führen Städten und Regionen patriotisches Kapital zu


Die Regionalbörsen Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und München stützen ihre Region. Damit die Kapitalströme auch der regionalen Wirtschaft zu Gute kommen, müssen die örtlichen Börsen etwas tun. Es gibt interessante Ansätze.

Auch wenn die meisten Handelsumsätze über die Börse Frankfurt laufen, ca. 2,4 Billionen Euro in 2007 auf Xetra, so bleibt immer noch ein nennenswerter regional organisierter Handel übrig. In und nach der Finanzkrise sind konservative Sparkassen wieder attraktiv, wieso nicht auch wieder regionale Werte mit regionalen Maklern an einem regionalen Handelsplatz?

Die Städte, die über eine Börse verfügen, haben jetzt die Chance ihr Alleinstellungsmerkmal weiter auszubauen und für ihre Region an Bedeutung zu gewinnen. Frankfurt ist der große Handelsplatz für die Global Player und die großen internationalen Werte, das wird sich in absehbarer Zukunft auch nicht ändern. Einige regionalen Börsen können aber stärker auf die Funktion der Beschaffung von Fremdkapital für den regionalen Mittelstand fokussieren. Die Regionalbörsen haben immer versucht mit besserem Service wie z.B. längeren Öffnungszeiten oder Spezialisierungen auf bestimmte Papiere wie den Handel mit Fonds oder den Getreidehandel auf dem Hamburger Parkett gegen den Riesen Frankfurt anzukommen. Das ist mit Sicherheit ein Weg, seine Nische zu stabilisieren. Aber ein offensives Werben für die eigene Region kann Erfolg haben. Die eigenen Fehler werden einem vielleicht in Zukunft lieber sein, als die der anderen, zumal man hier die Hebel kennt, beziehungsweise konservative Finanzprodukte wieder zu schätzen lernt. Die Anleger wollen möglicherweise einen Teil ihres Kapitals in die Stärkung der regionalen Wirtschaft investieren und das an dem Handelsort in der Region. Die Börse Stuttgart zahlt auch in Stuttgart ihre Steuern, die Händler wohnen dort und geben dort einen Teil ihres Verdienstes für den Konsum aus. Die Börsen selbst sind nicht nur Handelsplatz, sondern eben auch ein Unternehmen mit Wertschöpfung, indem sie den Kapitalfluss steuern, Gehaltszahlungen sichern und Steuerleistungen erbringen. Börsen bieten den Unternehmen eine Alternative gegenüber dem Bankkredit zur Fremdkapitalaufnahme. Die Regionalbörsen müssen es aber auch schaffen, die örtlich ansässigen Unternehmen dazu zu bringen, sich vor Ort notieren zu lassen. Einige Börsen haben ihre Region im Auge:

Das Markt-Segment M:access an der Börse München ist speziell für junge, kleine und mittlere Unternehmen konzipiert, die zum ersten Mal auf den Kapitalmarkt auftreten möchten und nennt sich „Going Public“. „Being Public“ ist für Unternehmen gedacht, die schon am Kapitalmarkt notiert sind, aber mit einer weiteren Notierung in ihrer Heimat ihre Marktchancen erhöhen wollen. Zum 1. September 2008 waren in M:access 23 Unternehmen gelistet. Der Neu-Zugang an diesem Tag war die GoingPublic Media AG, die schon seit 2006 im Open Market gelistet war. Das Münchner Unternehmen rechnet sich Chancen aus, an der regionalen Börse besser wahrgenommen zu werden. Sicherlich, in Frankfurt wollen sie alle irgendwann einmal gelistet sein, doch kleine Unternehmen gehen hier in der Masse unter. Wer dort nach Anlagemöglichkeiten sucht, dem ist es egal woher das Unternehmen stammt. Wer aber schon in M:access sucht, der hat kein Problem damit, sein Geld einem bayerischen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Würde der selbe Mensch auch Hamburger Papiere kaufen und dann auch noch an der Hamburger Börse? Privates Kapital ist durchaus patriotisch, jetzt vielleicht mehr denn je.

Die Börse Düsseldorf bietet mit ihren langen Öffnungszeiten von 8Uhr bis 23Uhr Privatanlegern gute Möglichkeiten am Abend zu handeln. Sie führt mit ihrem NRW-Index ein Papier, indem die 50 größten börsenotierten Papiere von Firmen mit Sitz in Nord-Rhein Westfalen eingetragen sind, ausgenommen der Werte, die schon im DAX 30 Eingang gefunden haben. 70% der dortigen Werte sind Industrieunternehmen. Die gesamte Marktkapitalisierung der NRW-Index-Unternehmen betrug laut des Börsenmagazins „notiert“ vom Juni 2008 etwa 172 Mrd. Euro, wobei das kleinste Unternehmen 38 Mio. aufwies. In diesem regionalen Index, den sich vermutlich vornehmlich „einheimische“ Anleger genauer betrachten, haben auch kleine Unternehmen eine Chance, die in Frankfurt nicht weiter auffallen dürften. Die Kurse der einzelnen Indexwerte sind auf der Homepage frei einsehbar.
Die Düsseldorfer Börse hatte in 2007 ein Handelsvolumen von über 300 Mrd. Euro, das sie mit 76 Banken und 20 Maklerfirmen (mit rd. 100 Mitarbeitern in Düsseldorf) managte. Dabei verwalten sie ca. 1.500 Aktien, ca. 4.700 Anleihen, ca. 1.300 Optionsscheine/Zertifikate und über 3.600 Investmentfonds.
Die Börse Düsseldorf ist übrigens die einzige TÜV-Geprüfte Börse, womit auch intensiv geworben wird.

In der BÖAG Börsen AG sind die Börsen Hamburg und Hannover vereint. Der regionale Bezug für die Börse Hamburg wird insbesondere durch ihr eigenes Portal für „Maritime Investments“ deutlich. Nach eigenen Angaben sitzen 75% der Initiatoren für Schiffsbeteiligungen in Norddeutschland, insbesondere Hamburg. Der „Hamburg Maritime Stock Exchange“ ermöglicht den Handel mit allen Papieren, die einen maritimen Bezug aufweisen. Dazu zählen Schiffsaktien, Schiffsfonds, Schiffspfandbriefe und Zertifikate. Der HASPAX-Index zeichnet 25 regionale Unternehmen, die an der Börse Hamburg notiert sind. Darunter sind Schwergewichte wie die Beiersdorf AG, HHLA Hamburger Hafen & Logistik AG und der Axel Springer Verlag. Aber auch kleinere Unternehmen finden hier Eingang. Den HASPAX gibt es seit dem 02. Mai 1996 und wird in enger Kooperation von der Hamburger Sparkasse und der Börse Hamburg betreut. Es ist ein Performance Index, der nicht nur die Kursentwicklung einzelner Titel, sondern auch deren Dividendenausschüttung berücksichtigt. Es geht also nicht nur um Kursgewinn, sondern auch um eine durchschnittliche jährlich Realisierung von Renditen.
Unter dem Dach der Hamburger Börse befinden sich ganze eigene Handelsmärkte wie die Allgemeine Börse, die insbesondere von den Immobilienmaklern genutzt wird, in der die regionalen Immobilien gehandelt werden und Informationen ausgetauscht werden. Die oben beschriebene Wertpapierbörse, die Getreidebörse und die Kaffeebörse und die Hamburger Versicherungsbörse sind weitere Marktplätze. Die Hamburger Börse, immer noch in der Stadtmitte angesiedelt, ist nicht nur reiner Handelsplatz, sondern Treffpunkt von Menschen und dient oftmals der Geschäftanbahnung. Ganz traditionell werden hier regionalspezifische Transaktionen angebahnt.

Die Stuttgarter Börse ist eine große Handelsplattform, die aber auch 2 regionale Segmente aufführt. Der BWX15 umfasst die 15 größten Badenwürtembergischen Unternehmen, worunter beispielsweise Daimler, Hugo Boss und Porsche fallen. Im BWXM hingegen ist der Badenwürtembergische Mittelstand notiert, zurzeit sind dies etwa 60 Werte. Wenn diese Titel gut arbeiten, können sie in den BWX15 aufrücken. Naturgemäß muss die Performance so gut sein, dass ein anderes Unternehmen wieder aus der Liste fliegt, wie dies auch beim DAX geschieht. Insgesamt vollzog die Stuttgarter Börse nach eigenen Angaben im Nov. 2007 39% des deutschen Parketthandels mit einem täglichen Umsatzvolumen von 800 Mio. Euro. Vielleicht spricht der Makler schwäbisch, Idiome beeinflussten schon mal die eine oder andere Kaufentscheidung.

Andere Deutsche Börsen sind für die Städte wichtig, weil sie deren Alleinstellungsmerkmal hervorheben, Geld in die kommunalen Kassen spülen und die örtliche Finanzwirtschaft stärken. Vielleicht werden sie zukünftig wieder regionalspezifische Wertpapiermärkte generieren.

Die Börse Berlin hat sich auf den Handel mit ausländischen Werten spezialisiert. Im Freiverkehr bieten sich aber auch Chancen für die kleinen Unternehmen. Mit ihrem Equiduct Trading ist das Ziel verknüpft, möglichst gute Preise im Markt bereitzustellen. Regionalökonomische Betrachtungen sind kein Schwerpunkt. Dafür konnte man auf die Fußball Europameisterschaft „wetten“.

Die Börse Bremen wurde 1862 gegründet und 2007 aufgelöst. Die Hinterlassenschaft, Stiftung Bremer Wertpapierbörse, unterstützt heute Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Die Börse Frankfurt ist der Leitwolf mit einem Handelvolumen von 2,4 Billionen Euro in 2007 alleine im Xetra-Handel. Die Frankfurter Börse ist überall aktiv. Die Region Frankfurt spielt dabei keine besondere Rolle.

Die regionalen Börsen sind für den städtischen Standort wichtig. Sie sind nicht nur Organisator der Fremdkapitalströme, zahlen Steuern und bieten Arbeitsplätze, sondern sie sind auch ein Symbol für wirtschaftliche Aktivität. Börsen waren immer da, wo etwas los ist. Sie waren ein Zeichen von gelebter Urbanität. Die Finanzkrise kann aus regionalökonomischer Perspektive durchaus etwas Positives hervorbringen. Man wird sehen, wie sehr die Regionen, die schon über die nötige Finanz-Infrastruktur verfügen, ihre Chancen nutzen können. Ein wenig Folklore kann etwas Gutes sein.

Alexander Venn, Oktober 2008

M:access – Börse München
Börse Düsseldorf (NRW-Mix im Indexkasten)
BÖAG (Börsen Hamburg-Hannover)
Hamburger Börse
Börse Stuttgart BWX15
PM zur Fußball Europameisterschaft Zertifikate
Börse Frankfurt


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