Kurz notiert
Topografie beeinflusst Energiepreise in Städten
In Ansan, einer Südkoreanischen Küstenstadt wird ein Gezeitenkraftwerk gebaut. Es wird laut Plan 2009 mit 254 Megawatt genug Energie für 500.000 Einwohner bereitstellen.
Es gibt viele Merkmale die dafür verantwortlich sind, ob eine Stadt in Zukunft prosperiert, eine davon ist die natürliche Umgebung. Die topografischen Unterschiede wurden weitestgehend minimiert durch die Netzinfrastruktur von Stromleitungen, Wassernetzen etc. und günstigen Verkehrswegen, die die Güterversorgung ermöglichten. Da Energie in Form von Strom offenbar ein zunehmend kostenrelevanter Faktor ist und sein wird, kann die Topografie einen größeren Einfluss auf das Wachstum von Städten haben.
Wenn es verstärkt zu einer kleinteiligeren, eher Städte und Regionen basierenden Stromwirtschaft kommt, dann können in Zukunft die Energiepreise regional noch stärker differieren als das bisher der Fall ist. Wenn Städte sehr günstig in windreichen, küstennahen oder sonnenreichen Regionen beziehungsweise in Gegenden mit hohem Wassergefälle oder optimalem Energiepflanzenboden angesiedelt sind, dann sind sie in der Lage kostengünstiger Strom zu produzieren, als ihre geografisch benachteiligten Mitnachfrager. Diese können dann nur den Überschuss abkaufen oder von einem Großkraftwerk ihren Strom beziehen. Der Großkraftwerksbetreiber wird sicherlich wissen, dass den topografisch benachteiligten Städten nur unterdurchschnittliche Alternativen bleiben. Das beeinflusst seine Gewinnkalkulation. Es gibt keine Gegend ohne Sonne, Wind oder geeignetem Boden, aber es ist immer eine Frage des Effizienzgrades. Doch auch hier wird sich eine Preisobergrenze bilden, da sich sonst die betroffenen Städte zusammenschließen können und in der Folge eine Art Genossenschaftskraftwerk in Eigenregie betreiben werden. Ganz abgesehen von dem Preis an der Strombörse, der für Nichterzeuger den Durchschnittspreis bildet.
Weltweit wird es mit Sicherheit Länder geben, in denen es keine staatliche Aufsicht über die Energiepreise geben wird und die den Stromerzeugern auch keine flächendeckende Zwangsversorgung oktroyieren, die sich aber sehr wohl darum bemühen, eine nachhaltige und import-abhängigkeits-mindernde Energieversorgung aufzubauen. Dort stehen die Städte im Wettbewerb miteinander und sind gezwungen sich über die eigene Energieversorgung Gedanken zu machen, da sie sonst, trotz allgemeinem Städtewachstum, das Nachsehen haben werden. Auch wenn man davon ausgeht, dass der gesamte Bevölkerungszuwachs in den Städten stattfindet, wird es dennoch schrumpfende, konstante und wachsende Städte geben. Firmen und damit Arbeitsplatzanbieter reagieren mittelfristig auf Energiepreise, je nach Energieintensität der Produktion. Energieautarkie im Kleinen kann durchaus ein wirtschaftspolitisch sinnvolles Ziel sein, es wird daran geforscht.
Wenn im Gezeitenkraftwerksbau oder in der Nutzung der Meeres-fließ-geschwindigkeiten weiterhin rasante Fortschritte zu verzeichnen sind, dann weisen doch einige Küstenstädte erhebliche topografische Vorteile im Bereich der Energieerzeugung auf. Anzumerken ist hier allerdings, dass nicht jede Küste bei derzeitigem Stand der Technik ökonomisch ausreichenden Tiedenhub aufweist. Inwieweit die technischen ökonomisch sinnvollen Möglichkeiten der Nutzung des jeweiligen Geländes Einfluss auf das Wachstum der betroffenen Stadt haben wird, ist eben auch eine Frage der Regulierung. Sicher ist nur, dass sich etwas bewegt und zwar weltweit. Die Menschen strömen weiter in die Städte, die Megacities nehmen zu und sie müssen mit Energie versorgt werden. Kleine Räume für viele Menschen in energetisch guter Lage fordern neue Lösungen, bieten aber auch gewaltige Chancen für die erneuerbaren Energien.
Alexander Venn, Juli 2008




