Leitlinien
Hochhäuser werden grüner und energieeffizienter
Hochhäuser sind im Trend. 2008 galt es Höhenrekorde zu brechen, aber auch green-building war und ist schick. Die Prognose: Höhenrekorde verlieren ihre Strahlkraft – grüne und energieeffiziente Hochhäuser gewinnen an Bedeutung.
Die globalen Metropolen wachsen weiterhin. Ihre Bevölkerung benötigt Wohnraum, doch immer weiter in die Breite zu bauen, stellt die Städte vor erhebliche Probleme. Die einen verweisen auf Platzmangel, die nächsten scheuen die hohen Infrastrukturkosten. Die nächsten zählen den erhöhten Personalaufwand dazu: Dichte hingegen ermöglicht es, mit weniger Personal mehr Menschen zu erreichen – ob Polizei, U-Bahn-Führer, Verwaltungsangestellte in Bezirken, in allen Bereichen kostet die Zersiedelung Geld und Zeit, damit wieder Produktivität. Umweltschutz ist ohnehin das polit-ökonomische Thema im Städtebau. Hochhäuser sind im Kommen, sie sind eine ökonomische Notwendigkeit für wachsende Zentren. Ihr Image ist allerdings nicht immer das Beste. Die Gründe reichen von architektonischen Katastrophen, über tote urbane Schluchten und Wohnblocksiedlungen mit hoher Kriminalität bis hin zur Energieverschwendung. Vieles wird sich in Zukunft ändern.
„Going Green“ ist ein Weg, die Menschen und Investoren davon zu überzeugen, dass Hochhäuser eine ernstzunehmende, ökonomisch und gesellschaftlich akzeptierte Lösung darstellen, verdichteten Wohnraum und zentrale Arbeitsplätze zu schaffen. Grüne Hochhäuser können viele Facetten haben:
Es muss nicht immer alles neu sein. Die älteren Bauwerke können noch einen erheblichen Beitrag zur CO2 Minderung beitragen, wenn ihre Grundsubstanz stimmt. Viele Gebäude beantragen nach und während getätigter Sanierung die LEED Zertifizierung, das ist der amerikanische Standard, der besagt, wie umweltschonend und energieeffizient die Gebäude in die Umwelt-Bilanz eingehen. Beispielsweise werden in Miami drei Hochhäuser „grünsaniert“. Zum einen wird in den ganzen Gebäuden die Beleuchtung durch Energiesparlampen oder LED Beleuchtung ersetzt. Es wird ein Recyclingprogramm für den anfallenden Müll in die Wege geleitet.
Das komplexe Sanierungsprogramm bedeutete für den „Bank of America Tower“ ein voller Erfolg. 2008 erhielt es den „U.S. Environmental Protection Agency’s Energy Star“. die EPA befand, daß das Gebäude nun 34% weniger Energie verbraucht als andere Bauten ähnlicher Größe und Nutzung. Mit diesem relativen Bewertungssystem wird im Laufe der Zeit erreicht, dass sich das Niveau anhebt, was schliesslich politisch wünschenswert ist. Ein Wettlauf um umweltgerechten Energieverbrauch ist einer der besten Beiträge zur CO2 Vermeidung. Altbausanierung kann sich lohnen.
Ein anderes Beispiel ist das „1450 Brickell“ Gebäude. Ein Neubauprojekt, das 2010 fertig gestellt sein wird. Schon jetzt ist der LEED-Gold Standard beantragt. Dazu trugen diverse umweltschonende Applikationen bei. So wird nicht nur Hurrikanesicheres Glas eingebaut, es verfügt zusätzlich über die Eigenschaft, lichtdurchlässig zu sein, aber die Wärme draußen zu lassen. Bei einer guten Wärmedämmung benötigt man somit sowohl im Winter, als auch im Sommer weniger Klimaanlagenenergie. 75% der Baumaterialien wurden recycelt. 35% der Energie wird unter Grünstrom-Kontrakten geliefert. Das Gebäude hat eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und bietet zudem besondere Parkrechte für verbrauchsarme Fahrzeuge. In der Wirkung wäre das wohl so ähnlich, als würde man die Parkhausgebühren nach der Einstufung des Fahrzeugs auf der Umweltplakette an der Windschutzscheibe berechnen. Beide Beispiele zielen auf langfristig geringere Unterhaltskosten und auf eine bessere Weitervermietbarkeit bzw. Wertsteigerung durch die LEED-Plaketten. In den USA hört man immer stärker von diesem System, das möglicherweise vom Einzelfall zum Standard wird.
Eine viel umfassendere Sicht zur Vergrünung von Hochhäusern bieten die Überlegungen zu den vertical farms hin. Verical farms sind sogenannte Bauernhöfe, die im Hochhaus gebaut werden. Man kann darunter sowohl ein Hochhaus verstehen, das sich komplett der Nahrungserzeugung widmet, als auch die Kombination aus Wohnen, Arbeiten und Nahrungsmittelproduktion. Mittlerweile wird wohl ernsthaft an Realisierungsverfahren geforscht. Dies wäre eine echte Mischnutzung von Gebäuden. Ökonomisch interessant ist die Idee, wenn es gelingt relativ kostengünstig Gemüse, Gewürze und Fleisch vor Ort zu erzeugen, also direkt beim Konsumenten. Die Transportkosten fallen weg, der Wasser- und Flächenverbrauch wird minimiert. Die Ware wäre das ganze Jahr über verfügbar. Der Ursprung dieser Idee wurde von Dr. Dickson Despommier geliefert. Die Renderings diverser Architekten existieren schon und sind zum Teil recht diversifiziert ausgearbeitet. Das Wichtige ist, dass die Idee weiterlebt und weiterentwickelt wird.
Im März 2008 fand unter dem Titel: “Tall and Green: Typology for a Sustainable Urban Future” der Nachhaltigkeits-Kongress vom Council on Tall Buildings and Urban Habitat in Dubai statt, der die aktuellen Gedankenwelt um die Hochhäuser der nahen Zukunft gut beschreibt. Höhe und Ballung allein genügen nicht mehr. Die Hochglanzzeitschriften für Architektur und Wohnen zeigen vermehrt grüne Elemente in, an und auf den Hochhäusern. Die grünen Verkaufsargumente reichen also vom Design bis hin zu langfristigen Kostenersparnissen und relativ erhöhtem Wiederverkaufswert. Ökonomische Gebäude werden bei steigenden Immobilienpreisen relativ höher bewertet sein als alte nicht sanierte Gebäude. Dieser Zusammenhang gilt auch oder gerade in Krisenzeiten.
Alexander Venn, Januar 2009
Bildrechte von Type0 by Oliver Foster
vertical farm homepage
Bericht im Time-Magazine zur Vertical Farm (Dez. 2008)
Miamiherald-Bericht zu LEED-Hochhäusern
Green Building - Konzepte für nachhaltige Architektur
Neue Giganten: Wolkenkratzer der Superlative




