Masterpläne
Megacity-Forschung in Seoul mit Fraunhofer Gesellschaft
Das 2008 neueröffnete deutsche Office der Fraunhofer Gesellschaft in Seoul, Korea forscht an Lösung zum besseren Management heutiger und zukünftiger Megacities. Regenerative Energien, Energieeffizienz, Akustik und Bürgernahe Verwaltung sind die Themen.
Seoul ist ein Paradebeispiel für eine schnell gewachsene Megacity, die mit ihrem Wachstum in bestimmten Bereichen nicht Schritt halten konnte. Die Bevölkerung hat sich in 50 Jahren vervierfacht auf heute 10 Mio. Menschen im Stadtgebiet und 20 Mio., wenn man das Umland hinzurechnet. „Seoul, a clean and attractive global city“ lautet der Slogan des amtlichen 4-Jahresplans. Aber…
Es musste alles schnell gehen, kein Wunder, dass es zu einigen Umweltproblemen wie Energieverschwendung, extrem hohem Verkehrslärm und Luftverschmutzung gekommen ist. Nicht zuletzt muss auch die Stadtverwaltung mit ihren vielen neuen Bürgern organisatorisch mithalten. All das ist nicht ganz einfach, obwohl Süd-Korea ein Hochtechnologie-Land ist. Der Bürgermeister von Seoul Oh Se-hoon hat den festen Willen, Seoul zu einer Muster-Megacity umzubauen.
Im kommenden Jahr wird Baubeginn eines Null-Energie-Hauses sein, das derzeit von den Forschern des ISE, Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg entwickelt wird. Ziel ist es, ein Gebäude mit Vorbildcharakter zu entwerfen. Doch nicht nur Neubauten, sondern auch die Sanierung der bestehenden hohen Wohnblocks ist ein wichtiges Forschungsthema. Energieeffizienz ist hier eine Frage der Dämmung bei gleichzeitiger Steigerung der Behaglichkeit. Hier hat die Forschung den Massenmarkt im Blick, es geht also um bezahlbare Sanierung.
Nicht ganz weit weg davon ist dann auch die Frage nach dem Schallschutz. Der Verkehrslärm ist in den hohen Häuserschluchten besonders prägnant, zudem muss auch innerhalb der Gebäude einiges für die Ruhe der Bewohner getan werden. Hellhörigkeit ist offenbar ein sehr großes Problem, insbesondere wenn die Trittschallschutz-Verordnungen in Korea noch restriktiver sind als in Deutschland. Demzufolge stellt die Sanierung der Wohnblocks gleich mehrere Anforderungen an die Forscher und die Industrie.
Als letzter Punkt weist Fraunhofer auf die IT-Services hin. In Europa soll es bald die Nummer 115 geben, mit der den Bürgern bei allen Behördenfragen umfassend geholfen werden soll. So ein System von telefonbasierten eGovernment-Services will auch Seoul einführen.
Sicherlich ist dies nur ein kleiner Ausschnitt der Problematiken, die Megacities betreffen, aber die Lösungen werden mit ausgewiesenen Experten erarbeitet. Für Deutschland bedeutet es Renomée und eine große Chance, in der Zukunft an der Sanierung der globalen Megacities mitwirken zu können. Offenbar haben hier Politik, Forschung und Industrie den festen Willen zusammenzuarbeiten und erkennen eine Win-Win-Situation. Für die Fraunhofer Gesellschaft bedeutet das Engagement in Korea einen hohen Zugewinn an Know-how über Probleme vor Ort und deren Lösungen, die sie wiederum an ihre Kunden weitergeben können.
Alexander Venn, September 2008
Fraunhofer Institut - Presseinformation




