Rezensionen
One Fifth Avenue – New Yorker Gesellschaftssatire
Candace Bushnell, die Autorin von “Sex and the City” hat mit ihrem Buch “One Fifth Avenue” eine wunderbare Satire, vielleicht auch schlicht eine Beschreibung der bemerkenswerten Realität New Yorks, oder eines bestimmten Teils der New Yorker Gesellschaft geschrieben.
Wenn sich Millionäre zusammen ein prachtvolles Haus an einer der besten Lagen New Yorks teilen, so plätschert das Leben keinesfalls so dahin. Zwischenmenschliche Spannungen und unterschiedliche Wahrnehmungen der Wirklichkeit prallen aufeinander. Liebesbeziehungen können immer kompliziert und spannungsgeladen sein, ob mit oder ohne Geld. Doch auch das ganz normal Zwischenmenschliche kann zu einer endlosen Skurrilität werden, wenn altes auf neues Geld trifft. Also der Emporkömmling sich die gleichen Rechte wie der Geldadel sichern will und noch die Frechheit besitzt, diesen Anspruch in die Tat umsetzen zu wollen. Wohl gemerkt, auch altes Geld unterscheidet sich untereinander. Nur ganz knapp Millionär zu sein, ist an dieser Adresse schon ein wenig blamabel. In New York, Manhattan werden andere Maßstäbe gesetzt. Der Genuss von eigenem Reichtum ist immer abhängig vom Reichtum des Nachbarn, aber immer ganz anders als „arm“ zu sein, das wird auch lustvoll demonstriert, keinesfalls versteckt. Dennoch ist es für einige Geldlose im Dunstkreise besagter Akteure immer ein großen Ziel dazuzugehören. So fehlen auch hier nicht die Habenichtse, die einiges dafür unternehmen, in dieser Welt leben zu dürfen. Nun ja, mehr oder weniger erfolgreich. Wer nicht so alles denkt, was ihm ganz selbstverständlich zusteht. Dies ist überhaupt Dreh- und Angelpunkt – jeder fühlt sich in seinen Handlungen vollkommen im Recht. Sich selbst zurückzunehmen, ist keinesfalls die richtige Art zu leben. Der Roman ist voller Verstrickungen, Wirrungen und genüsslicher Beschreibung der Regeln, nach denen an diesem Ort gelebt wird beziehungsweise gelebt werden soll – der Nachbar achtet schon darauf. Es geht schließlich um den Ruf des Hauses. Die Eigentümerversammlung ist dort nicht minder wichtig als in Reihenhauseigenheimen auch, die Sticheleien sind nur anders.
Jede Seite des Buches ist lesenswert, was nun doch schon eine Seltenheit darstellt. One Fifth Avenue wird sicherlich ein Klassiker werden. Hervorragend geschrieben und mit der richtigen Mischung aus Humor und gesellschaftlicher Beschreibung versehen, werden die Charaktere sehr detailliert skizziert und sie entwickeln sich gemäß der Geschichte weiter.
Dies Buch kann nur in einer Metropole wie New York spielen, wo sonst werden so hohe Immobilienpreise verlangt, von den unwürdigen Mietverhältnissen einmal ganz abgesehen, die dazu führen, dass exakt eine Million Dollar einen doch recht arm aussehen lässt, und man dafür in dieser Lage nicht einmal eine Zwei-Zimmer Wohnung kaufen kann. Es in New York geschafft zu haben, ist wohl doch ein Grund, stolz auf sich zu sein.
Nach genussvollem Lesen kann One Fifth Avenue nur weiterempfohlen werden, ohne Einschränkung.
12 andere gute Rezensionen auf amazon.de wirken doch bestätigend.
Alexander Venn, Juli 2011


