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Absatzschwäche in der Automobilindustrie bedroht Detroit

Informationsportal: Urbanisierung & Stadtentwicklung & Grüne Stadt ___________Friday, 10 . Feb . 2012 | KW06

Stadtentwicklung

Absatzschwäche in der Automobilindustrie bedroht Detroit


Wirtschaftliche Monokultur ist für Städte eine riskante Angelegenheit. Am Beispiel Detroit sieht man, was aus einer einst blühenden 2 Mio. Metropole werden kann.

Detroit, Michigan, USA: Im IV. Quartal ersuchten die großen 3 „The Big Three“ der US-Automobilindustrie um staatliche Finanzhilfen. Für’s erste waren die Bittsteller erfolgreich, die Industrie wird wohl noch den ganzen Frühling 2009 zahlungs- und handlungsfähig bleiben (Stand Januar 2009). Danach wird sich zeigen, inwieweit es die Betriebe geschafft haben, sich nachhaltig neu zu erfinden.
Alle 3 Unternehmen sind in der Region Detroit angesiedelt. General Motors in Detroit selbst. The Ford Motor Company im benachbarten Dearborn und Chrysler im nahe gelegenen Auburn Hills. Nach einer kontinuierlichen Rationalisierung wurde Mitte der 80er Jahre die Automobilproduktion in Teilen ausgelagert. Die Stadt hat es aber nicht geschafft, die industriellen Umwälzungen zu kompensieren. 1950 gab es in Detroit noch ca. 2 Millionen Einwohner, heute sind es nur noch 900.000. Die Zukunft sieht nicht unbedingt rosig aus.
Für die Stadtentwicklung ist der allmähliche Niedergang einer Industrie ein erhebliches Problem, weil sich der Fortzug der Bevölkerung nicht clusterweise vollzieht. Das heißt, er betrifft fast alle Stadtteile und alle Straßenzüge, bis zu den einzelnen Wohnblocks in zufälliger Weise. In der Folge brennt es stadtplanerisch und auch lokalökonomisch an allen Ecken gleichzeitig.
Traurig ist, dass es aktuell auf der offiziellen Homepage der Stadt Detroit keinen gut sichtbaren Masterplan gibt, der Hoffnung auf Änderung, Wandel und Innovation verspricht. Die Pläne sind eher versteckt. Ein kleines “Nachbarschaftsprogramm” wird zwar erwähnt, dieses ist aber mit 300 Mio. $ für diese Stadtgröße nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein die neue Elbphilharmonie in Hamburgs Hafen City schlägt schon mit 400 Mio. Euro zu Buche, voraussichtlich. Gerade jetzt, da die Automobilindustrie wackelt, wäre der Richtige Zeitpunkt eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Man kann auch mit geringeren Mitteln einiges in der Stadtentwicklung bewegen. Es ist nur schwierig, Versäumnisse aus 40 Jahren aufzuholen. So wurde in der Auto-Stadt nicht besonders viel Wert gelegt auf die Entwicklung einer guten öffentlichen Verkehrsinfrastruktur. In der aktuellen Konjunkturkrise werden sich aber wieder weniger Menschen ein Auto leisten können, damit erstirbt ein Teil der Mobilität. Gerade die Mobilität ist aber ein Punkt, der eine aktive und lebendige Stadt auszeichnet. Der Hauptbahnhof in der Stadtmitte wurde 1988 geschlossen, der Bahnhof liegt nun weit außerhalb der Stadt. Die Stadtmitte ist nun ständig durchbrochen von Brachflächen ehemaliger Produktionsanlagen und verfallener Häuser. Das macht die Stadtsanierung nicht unbedingt einfacher.
Natürlich hat die Stadt ehemals von der Monokultur profitiert. Man konnte sich ganz auf die eine Branche konzentrieren. Die Automobilunternehmen haben ordentliche Steuern gezahlt und jeder, der eine Beschäftigung wollte, konnte auch eine bekommen. Es ist eben auch kostengünstiger und weniger nervenaufreibend, wenn die Stadtverwaltung im Grunde nur einen ökonomisch relevanten Verhandlungspartner hat. Die Nichteinführung von U- oder S-Bahnen sicherte den Absatz von Fahrzeugen. Bis auf einige Buslinien war die Fortbewegung innerhalb der Stadt schlicht alternativlos. Man war auch stolz auf die Auto-Stadt.
Doch für diese Bequemlichkeit der Monokultur zahlt die Stadt heute ihren Preis. Wenn sich Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, ist das durchaus sinnvoll, eine Stadt ist aber kein Unternehmen. Die Verwaltung hat eben auch die Aufgabe, eine gewisse Diversifizierung zu gewährleisten, um die Risiken zu minimieren. In keiner Konjunkturkrise geht es allen Branchen gleich schlecht. Großunternehmen haben keine Bestandsgarantien, sie halten nur länger durch.

Vom 11. bis 25. Januar findet in Detroit wieder die North American International Auto Show statt. Man darf gespannt sein, was die drei Großen zu bieten haben.

Alexander Venn, Januar 2009

Homepage der Stadt Detroit
Artikel „Der Untergang von Detroit“ auf fluter.de
Schrumpfende Stadt Detroit auf shrinkingcities.com


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