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Energetische Sanierung von Großwohnsiedlungen wird durch Wettbewerb unterstützt

Informationsportal: Urbanisierung & Stadtentwicklung & Grüne Stadt ___________Saturday, 31 . Jul . 2010 | KW30

Stadtentwicklung

Energetische Sanierung von Großwohnsiedlungen wird durch Wettbewerb unterstützt


Das Konjunkturprogramm stockt die Mittel der KfW im Bereich energetische Sanierung um 3 Mrd. € auf. Ein Wettbewerb des Ministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung prämiert die besten integrierten Konzepte in Großwohnsiedlungen.

Aktuell leben etwa 5 Millionen Menschen in Großwohnsiedlungen mit jeweils mehr als 1000 Wohnungen. Bundesweit finden sich rund 7,5% aller Wohnungen in Großwohnsiedlungen aus den 1950er bis 80er Jahren. Im Gesamten rechnet man mit 2,4 Millionen Wohnungen. Nur ein Teil davon ist bisher energetisch saniert. Zum Zwecke einer schnellen Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung einen Wettbewerb ausgelobt, der die besten integrierten Stadtteilentwicklungskonzepte belohnt. Die energetische Sanierung soll im Mittel etwas 50% der Heizenergie und des Stromes einsparen. Konkret benennt das Ministerium eine Heizkostenersparnis von etwa 420 Euro im Jahr bei einer Wohnungsgröße von 70 m2 und einem Heizkostenpreis von 6 ct/kWh. Rechnet man das auf die 2,4 Millionen Wohnungen um, so ergibt das eine jährliche Ersparnis von rund 1 Mrd. € Heizenergie. Dieses Geld steht dann entweder dem Konsum zur Verfügung, oder schont die Sozialkassen, sofern Wohnzuschüsse gezahlt werden müssen. Dabei sind Preissteigerungen bei den Primärenergien noch nicht berücksichtigt, die langfristig wohl kaum zu vermeiden sind. Es geht aber nicht nur um die direkten Energiekosten, sondern auch um die CO 2-Vermeidung. Verfolgt man die Sanierung und Umstellung auf Nahwärme und Energiegewinnung durch erneuerbare Energien konsequent, so rechnet das Ministerium mit 4 Tonnen weniger CO 2 pro Jahr und Wohnung. Auch hier erhält man bei der Hochrechnung auf alle Wohnungen in den Großwohnsiedlungen eine beeindruckende Größe. Nicht ungenannt soll in diesem Zusammenhang auch der Effekt der Versorgungssicherheit bleiben. Kleinteilige erneuerbare Energiequellen erhöhen die Zahl der Energieerzeugungseinheiten, bei einer verminderten Abhängigkeit von Energieimporten oder langen Transportwegen mit entsprechenden Transportverlusten. Dezentralisierung, Quartierslösungen und neuer Energiemix ist Risikostreuung. Zur Gewährleistung von ökonomisch tragfähigen Lösungen wird die Jury auf die Relation von Investitionskosten zu Energie- und Energiekosteneinsparungen achten. Bestimmte Abstimmungen mit den Energieversorgern sollen schon im Konzept enthalten sein.

Es ist bekannt, dass Großwohnsiedlungen durchaus gewisse integrative Defizite aufweisen, nicht selten handelt es sich um Problemviertel mit erhöhter Arbeitslosigkeit, sozialen Brennpunkten und demografischen Problemen. Der Wettbewerb soll die Eigentümer der Wohnungen wie Wohnungsunternehmen, Wohnungsgenossenschaften, Wohnungseigentümergemeinschaften und sonstige Kooperationen dazu ermuntern, auch diese Probleme konzeptionell anzugehen. Dazu müssen die Wettbewerbsteilnehmer Angaben zu diversen Konzeptteilen angeben:

Wohnungswirtschaftliches Konzept: Hier wird danach gefragt, welche baulichen Maßnahmen zukünftig ein barrierefreies Wohnen ermöglichen, so dass Rollstuhlfahrer oder Gehwagenbenutzer möglichst mobil bleiben können. Inwieweit wird für ein familiengerechtes Wohnen gesorgt oder sind angenehme Baunebenmaßnahmen geplant wie der Anbau von Balkonen und Schallschutzelementen.

Stadtteilentwicklungskonzept: Die Siedlung wird im Kontext der Stadtentwicklung betrachtet. Hierzu zählen Stärken und Schwächen der Siedlung. ist eine wohnungsnahe Versorgung möglich, wie sieht die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr aus, gibt es Grünanlagen und Freizeitangebote und vieles mehr?

Partizipationskonzept: Wohnsiedlungen können ganz anonym sein, oder auch eine rege Nachbarschaftsbeteiligung aufweisen. Zumeist entsteht Partizipation aber nicht einfach so, sondern muss in die Wege geleitet werden. Dazu müssen soziale Träger, die lokale Wirtschaft oder eben potentiell aktive Bewohner angesprochen werden. Beratungs- und Hilfsangebote für sozial Schwache helfen dabei durchaus.

Finanzierungskonzept: Für die Behörde ist es wichtig zu wissen, wie hoch die Investitionskosten sein werden, mit welchen Eigenmitteln der Investor ausgestattet ist, wie hoch der Förderbedarf ist und natürlich wie er die zukünftigen Mieten nach der Sanierung einschätzt, unterteilt in Nettokaltmiete und Betriebskosten. Anhand dieser Daten kann man einschätzen, wie sehr die Bewohner von den Maßnahmen profitieren werden.

Durchführungskonzept: Wie schnell wirkt der Umbau, wie hoch ist die Belastung der Mieter, müssen sie gegebenenfalls Ausweichmöglichkeiten zugewiesen bekommen? Wie sieht es mit der Qualitätssicherung und –Überwachung aus?

Der Wettbewerb erfolgt in zwei Stufen. Zuerst gibt es einen Zuschuss für die Ausarbeitung des Konzeptes in der Planungs- und Umsetzungsphase. In der zweiten Stufe werden die besten mit Finanzierungszuschüßen bedacht. Die fünf ersten Preisträger erhalten 100.000 € die 10 Zweitplatzierten 75.000 € und die 20 Drittplatzierten je 50.000 €. Gold, Silber und Bronzeplaketten winken den Gewinnern. Das Verfahren ist Teil des Konjunkturpaketes, da die Fremdfinanzierung auch mit Hilfe der KfW vonstatten gehen wird. Die energetische Sanierung ist im Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ integriert. Die Umsetzung der Pläne muss schnell gehen, wenn die Wirkung noch in 2009 spürbar sein soll, daher endet der Wettbewerb schon am 29.Mai und die Entscheidung der Jury fällt im Juli 2009.

Im Gesamten betrachtet geht es zwar in erster Linie um die energetische Sanierung und Beschäftigungssicherung, aber andere Aspekte, die die langfristige Attraktivität der Großwohnsiedlungen sichern, sind genauso gewollt. Die Investitionen rechnen sich nur, wenn die Menschen auch dort wohnen bleiben und diese Ersparnis tatsächlich jährlich zu Buche schlägt. Die Politik zeigt damit gleichfalls, dass ihr diese Viertel nicht gleichgültig sind. Eine modernisierte Wohneinheit kann sehr wohl für eine bessere Grundstimmung sorgen.

Alexander Venn, Februar 2009

Großwohnsiedlungen beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


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