Stadtentwicklung
Flächenrecycling ist für Städte ökonomischer als Zersiedlung
Zersiedelung, immer weitere Neubaugebiete verursachen Kosten, die bei einem guten Flächenmanagement reduziert werden können. Das Forschungsprojekt REFINA soll den Kommunen eine effiziente Flächennutzung näher bringen.
Bundesweit werden jedes Jahr täglich 129 Hektar zusätzlich für Siedlung und Verkehr in Anspruch genommen. Die Bevölkerung hingegen bleibt in etwa konstant. Die Flächen werden demnach pro Kopf jedes Jahr weniger effizient genutzt. Anschaulicher dargestellt, geht in etwa jedes Jahr die Fläche von München (310 km²) „verloren“.
Grund und Boden, hier natürlicher oder landwirtschaftlicher Boden, sind ein knappes Gut. Ineffiziente Nutzungen verursachen Kosten verschiedener Art. Nicht klar zu beziffern, aber durchaus nachvollziehbar sind Folgen wie die Verminderung der Artenvielfalt. Gut sichtbar sind die optischen Effekte, wo einst unberührte weitschweifende Landschaft war, sind heute überall kleine Häuschen, einsame Fabrikhallen und graue Straßen zu sehen. Für einige Gebiete sind die Kosten durchaus auch in monetären Einheiten erfassbar. Der naturverbundene Tourismus wandert ab, wenn ihm die Bellevues fehlen, jede beruhigende Wanderung durch Autobahnüberquerungen jäh durchbrochen wird und sich ohnehin ein leiser aber permanenter Verkehrslärm in die Landschaft ergießt.
Interessant und oft überzeugender sind Kosten, die sich kalkulieren lassen. Jede weitere Zersiedelung kostet die Kommunen Geld. Sie muss für die Verkehrsinfrastruktur aufkommen, Neubaugebiete müssen verkehrstechnisch angebunden werden, die Straßen müssen beleuchtet werden. Die Kommunen müssen einen Teil der zusätzlichen Mobilitätsanforderungen tragen: von der neuen Buslinie, über die weiteren Strecken, die Polizei, Feuerwehr und Krankentransporte hinnehmen müssen. In einigen Gebieten sind dies regelmäßige Besucher. Für die Bewohner der neuen Siedlungen kommen Mobilitätskosten hinzu, die schnell den Vorteil der billigeren Miete, oder des preisgünstigen Baugrunds wieder zu Nichte machen. Die Gas- Wasser- und Stromversorger müssen die Kosten der weitläufigeren Infrastruktur tragen, die sie aber versuchen werden auf die Verbraucher umzulegen. Je nachdem wie stark regionalisiert die Versorger sind, lasten die Zusatzkosten auf mehr oder weniger Schultern.
Für die Stadtkerne hat die Suburbanisierung, also das Wegziehen an die Peripherie teilweise gravierende Folgen. Wenn niemand mehr in der Stadt wohnt und arbeitet, ist jeder Stadtausflug mit Aufwand verbunden. Schlicht eine Frage der Mobilitätskosten und der Bequemlichkeit. Ein abendlicher Spaziergang durch die Geschäftszeilen schließt sich je nach Entfernung ohnehin aus.
Die einzelnen Lebensbereiche von Wohnen, Arbeit und Freizeit driften räumlich immer weiter auseinander. Die Probleme sind mancherorts bekannt und es werden Lösungen erarbeitet. Ein großangelegtes Forschungsprojekt widmet sich der Fragestellung und versucht eben auch die jeweiligen Kosten genau abzuschätzen und so die Kommungen davon zu überzeugen ihr Flächenmanagement umzustellen.
Das Forschungsprojekt REFINA, “Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement” soll Strategien entwickeln, damit die neuen täglichen Siedlungsflächen auf unter 30 ha im Jahr 2020 gesenkt werden können. Es geht hierbei nicht nur um Verdichtung von bewohnten Flächen, sondern auch um das Recycling von ehemals benutzten, heute aber brachliegenden Geländen. Mit Verdichtung ist nicht zwingend der Hochhausbau oder das Bebauen von Parks gemeint, oft gibt es Leerstände in Mitten der Städte, die als Wohnraum umgebaut und saniert werden können. Weiterhin bluten so manche ehemaligen Neubauviertel mit der Zeit aus, die können entweder saniert werden, um wieder als attraktive Wohnlage gelten zu können, oder eben komplett renaturiert werden. Mit den eingesparten infrastrukturellen Unterhaltskosten lassen sich für die wenigen verbliebenen Bewohner durchaus angenehmere und kommunal sinnvollere Wohnorte schaffen. Überall gilt es Gebäude aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Einen sehr hohen Beitrag zur effizienten Flächennutzung können die sogenannten “schrumpfenden Städte” leisten. Ein Beispiel, wie man das mit sehr viel Engagement und mit den Bürgern zusammen bewältigen kann ist Yougstown in den USA. Doch zurück zu Deutschland.
In seiner Ausgabe „Flächenpost“ vom Sept. 2008 beschreibt das Projekt wie es die Partner aus den Kommunen, der Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenführt. Besonders die kleinen Gemeinden profitieren von den örtlichen Forschungsergebnissen. Sie mussten die teuren Erhebungen nicht bezahlen, können aber die empirischen und kartografischen Daten für ihren kleinen Raum nutzen. Der Raum Freiburg ist offenbar sehr zufrieden und kann für sein prognostiziertes Bevölkerungswachstum viele innerstädtische Flächen aktivieren. Die simple Formel doppelte Verdichtung gleich halbe Kosten scheint sich für den Kommunalhaushalt wohl zu bestätigen. Kostenbewusste Stadtentwicklung kann also durchaus auch ökologisch sinnvoll sein.
Das Projekt REFINA wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Deutschen Instiut für Urbanistik begleitet und kooperiert mit einigen anderen Akteuren.
Alexander Venn, Sept. 2008





Richtig so!
Nur z.B. in Städten wie Köln wo die Unesco das sagen hat, gibt es eine Sperrzone. Köln ist gezwungen in die Breite zu bauen, weil Hochhäsuer wofür sich immer Investoren ansagen nicht geduldet werden (dürfen) die Stadt will, darf aber nicht. Immerhin haben sie das alte Barmerviertel und den Hafen mal belebt. Mittlerweile ein Vorzeige stadtteil in Deutschland!