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Stadtquartiere mit Familien sind zukunftsfähig

Informationsportal: Urbanisierung & Stadtentwicklung & Grüne Stadt ___________Saturday, 31 . Jul . 2010 | KW30

Stadtentwicklung

Stadtquartiere mit Familien sind zukunftsfähig


Die Stadt gewinnt als attraktiver Lebensort an Bedeutung. Warum auch nicht, wenn laut BMVBS 70% aller über 60 jährigen Frauen alleine Leben, dann wird es langweilig. Die Stadt verspricht mehr Abwechslung, aber auch mehr soziale Kontakte. Es ist natürlich immer die Frage, wie die Stadtquartiere ausgebaut sind.

Die unsoziale und langfristig nachteilige Lösung ist es, eine höchst mögliche Homogenisierung der Quartiersbewohner zu erreichen. Alle Alten zusammen, dafür aber vollkommen Barrierefrei. Alle gutverdienenden Singles mit gepflegtem und kontrollierten Kiez, inklusive Sperrstunde auf engem, aber teuerem und luxuriösem Raum zusammenführen. Familien, ein wenig abseits im Grünen mit Kita und Schule, sowie zahlreichen Gärten hinter und vor den Wohnhäusern, doch unbedingt mit Lärmschutzmauer von den „guten“ Vierteln getrennt, unterzubringen, ist für manch einen ein verlockender Gedanke. Überzeichnet? Nun ja, in Teilen, doch Beispiele hierzu gibt es.

Die Demografische Entwicklung lässt sich aber nicht aufhalten, alte Menschen werden älter und sind dabei durchaus noch vital. Sie wollen und sollen am sozialen Leben teilhaben.

Als Single geht man an den älteren Nachbarn zwar noch mit Gruß, doch sonst mit wenig Plausch vorbei. Kinder sind anders, wenn sie mit den erwachsenen unterwegs sind, sprechen sie jeden an. Die Kinder sind von den netten Omas und Opas genauso so begeistert wie umgekehrt. Die vielbeschäftigten und stets auf Höchsttouren laufenden Eltern sind aber für die kleinen Verzögerungen ihres Alltags durch die Kontaktaufnahmen zwischen Sprössling und freundlichem Rentner hin und wieder dankbar. So musste man sich plötzlich unterhalten, durfte wieder ein wenig zu Atem kommen. Siehe da, der Nachbarschaftstratsch kann ja doch ganz interessant sein.

Es ist ja auch Absurd, wenn man in einem Quartier zusammen mit 5.000 -10.000 Menschen lebt und eigentlich keinen kennt. Nicht einmal der Bäcker ist zwingend eine Konstante, weil das Personal in einigen Filialbäckern jedes Jahr ausgewechselt wird. Eltern sind zwangsweise aktiv und kennen schon irgendwen. Doch ohne Aktivitäts-Muss und ohne Job, da man ja schon seine Zeit abgearbeitet hat, kann es auch in der Großstadt einsam werden. Es ist aber eine geplante und künstliche, sowie dem Menschen untypische Einsamkeit.

Der Appell: Die Stadtplaner und Stadtentwicklungsbehörden sollten den Fokus ihres Stadtquartiersmanagements eher darauf legen die Menschen zusammenzuführen, die mental zusammenpassen, die demnach auf einer Wellenlänge liegen.

Wenn man nur in die Statistikbögen schaut und nach Status, Durchschnittsverdienst, Familienstand, Alter und Nationalität neue Quartiere aufbaut, so haben diese künstlichen Gebilde nur ein kurze Lebensdauer und Spaß macht es auch keinen, langfristig nicht einmal den Investoren. Man zieht doch gerade weg vom Dorf in die Stadt, um eine größere Durchmischung der Gedanken zu erfahren, um von der Vielfalt profitieren zu können.
Lebendige Städte leben von lebendigen Menschen die untereinander in allen möglichen Formen kommunizieren und sich daher auch ständig ein klein wenig wandeln. Ein Stadtquartier sollte doch die Funktion des Zusammenführens und nicht des Separierens habe. Kinder fördern und fordern Kommunikation, sie sind ein wesentliches Element der gesellschaftlichen Interaktion. Familien sorgen für die Zukunftsfähigkeit und stetige Weiterentwicklung von Stadt-Quartieren.

Alexander Venn, November 2009

Quartierswohnen Nov. 2009, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


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