Stadtprojekte
High Line – Neuer Stadtpark für Manhattan.
Neuer lebensfroher Raum in der Stadtmitte von New York. Ausgediente Hochbahnstrecken müssen kein Schandfleck sein, sondern können neue Funktionen erfüllen.
New York, USA: Auf der Westside Manhattan werden Mitte 2008 die ersten Abschnitte eines Parks fertig sein, der auf einer stillgelegten Bahnstrecke aufgebracht wird. Der Park wird am Ende 2,3 km (1,45 Meilen) durch die Stadt verlaufen. Auf die zweite Ebene der Stadtwege gelangt man durch Fahrstühle, Treppen, Rampen etc., je nach Örtlichkeit. Auf dem Gelände wird es Wasserlandschaften, Wildblütenwiesen und kleine Wäldchen geben. Ein Ausguck, der über eine Rampe erreichbar ist, findet sich gleichfalls in den Planungen. Langsamkeit, Kontemplation, Relaxing und Entschleunigung sind Zustände, die man in der Stadt oftmals lange suchen muss. Hier bietet sich die Gelegenheit dazu: Ohne Stau, Unpünktlichkeiten und Gedränge . Durch ihre erzwungenermaßen zentrale Lage und Stadtteil-verbindende Funktion können High Line Parcs durchaus die sozialen Begegnungen erhöhen. Wenn Stadtteile durch Hauptverkehrsadern getrennt sind, dann geht es vielleicht zu Fuss an einem wunderbaren Sommernachmittag über die bezaubernde Grünfläche in das Nachbar-Quartier. Menschen begegnen sich nicht nur im Grünen, sondern auch in den Kaffees bei den Auf- und Abgängen.
Den Architekten Diller Scofidio+Renfro ist es gelungen, eine neue Form der Neulandnutzung zu entwickeln und dafür auch die Menschen von der Stadtplanung und Stadtentwicklung zu begeistern. Die Grüne Linie birgt das Potential ihre gesamte Umgegend aufzuwerten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Menschen gerade wegen des Parks dorthin ziehen wollen. Neue Wohnungen, Büros, Läden, Gastronomiebetriebe und Hotels werden entstehen. So die nachvollziehbare Planung. Zentral zu wohnen und eine ausgedehnte Grünanlage mit einem ganz besonderen Charme vor der Haustüre - ein Luxus, der einem etwas Wert ist.
Kleine regionale Schlussbemerkung zur Multifunktionalität von Hochbahnstrecken:
In Hamburg werden die Stadtteile Hoheluft und Eppendorf jeden Dienstag und Freitag durch einen Wochenmarkt unter der U-Bahnstrecke „U3“ mit viel Trubel, Heiterkeit, Gedränge und Gaumenschmaus miteinander verbunden. Der Markt greift auf die Kaukraft zweier Stadtteile zurück. Das ist der Vorteil eines langgezogenen Marktes gegenüber einem großen Carrée. In Berlin hingegen finden sich unter den Bahngleisen an prominenten Stellen viele kleine Läden und Gastronomiebetriebe. Das Croissant und Café -Frühstück unter fahrenden Zügen einzunehmen, hat Charme und birgt auch ein wenig Spannung.
Alexander Venn
Bildrechte: Diller Scofidio+Renfro



