Stadtprojekte
Dubai - The Palm und die Finanzkrise
Ausländische Direktinvestitionen sind beliebt, hin und wieder braucht man kühne Projekte, um an das große Geld der anderen zu gelangen. Ganze Städte oder Stadtteile neu zu entwickeln, ist eine Möglichkeit. Eine Kleinstadt, oder ein Stadtquartier als Palme im Meer zu erbauen, hat einen gewissen Reiz. Stellt aber in der gegenwärtigen Finanzkrise ganz besondere Anforderungen an die Überzeugungsfähigkeiten der Entwickler.
Wie auf tagesschau.de vom 26.11.09 zu lesen war bittet die staatliche Dach Holding Dubai World um Zahlungsaufschub für seine ausgegebenen Anleihen über 59 Mrd. US$. Ein Unternehmen, das zur Gruppe gehört ist Nakheel, dem Entwickler von The Palm – der künstlichen Palmeninsel im Meer. Hier fallen wohl Zahlungsverpflichtungen von 3,5 Mrd. US$ im Dezember und eine weitere Mrd. im Mai 2010 an. Insgesamt stellen die 59 Mrd. US$ laut tagesschau.de 75% der Staatsschulden Dubais, mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern dar.
Laut der eigenen Homepage-Angaben gehören folgende Projekte zu Nakheel:
• Palm Jumeirah • Palm Deira • Palm Jebel Ali • The World Waterfront • Dubai Promenade • Al Furjan • Jumeirah Islands • Jumeirah Park • Jumeirah Village • Jumeirah Heights • The Gardens • Discovery Gardens • International City • The Universe • Mina Rashid
Wie die Palme, so soll auch ein Abbild der Welt “The World Waterfront” auf Sand gebaut werden. Künstliche Stadt ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, es sind doch eher Ressorts, für eine ganz bestimmte Klientel. Auf der anderen Seite sind diese Immobilien-Gebilde so groß und mit soviel Infrastruktur versehen, so die Planung und teilweise Umsetzung, dass man doch gerne von kleinen, aber mondänen Städten sprechen möchte. Es bleibt aber eine Service- und keine Produktionswirtschaft.
Das Problem in der Finanzkrise ist, dass sich die Investoren fragen, ob sie ihr Geld wiedersehen, wenn sie zu Kompromissen bereit sind oder gar neues Geld einbringen werden. Bei den Inseln im Meer besteht neben den üblichen Problemen von Retortenstädten noch ein ganz anderes. Wenn nicht ständig für die geologische Stabilität gesorgt wird, dann verschwinden die Palmenteile Stück für Stück im Meer, oder die Palme versandet und wandelt sich vom kunstvoll arrangierten Inseltraum zum Fleck. Das Gebilde ist derzeit nicht so fest, dass man es einfach sich selbst überlassen könnte und im Zweifel eben dann weiterbaut, wenn die finanziellen Ressourcen wieder aufgeladen sind.
Der wohl wesentlichste Unterschied zu einer echten Stadt der Millionäre ist wohl der, dass nur die allerwenigsten Bewohner der Häuser dort ihren Hauptsitz haben werden. Mit anderen Worten, sie bilden kein Sozialkapital und somit kann auch nie eine echte Loyalität zur The Palm entstehen. Wenn’s nicht klappt, dann geht man eben. Das hat zur Folge, dass die Vermarktung von the Palm ausschließlich auf höchst mobile und wohlhabende Menschen ausgerichtet sein muss. Da ein großer Teil Erträge durch Tourismus, Hotelveranstaltungen und Ferienhausverkauf, -vermietung zu verdienen sein wird, ist das ein ganz sensibler Markt. Es gibt keine Hostage-Situation, in der die Städte mittelfristig tun und lassen können was sie wollen, so schnell kann der gemeine Bewohner einer normalen Stadt gar nicht fliehen. Er hat dort seinen Arbeitsplatz, die Kinder gehen zur Schule, er hat hier seine Freunde und Bekannte, sowie die zu pflegende Oma. Der Niedergang geht schleichend von statten, somit auch der Preisverfall. Sobald sich von The Palm nur einige wenige Investoren abwenden, sowohl große Kapitalanleger, als auch reiche Privatpersonen, dann setzt ein Run ein. Die Insel ist dann plötzlich nicht mehr Hip.
Das besondere aber ist, dass eine Stadt wieder auf erstehen kann. Eine künstliche Insel in dieser Form wird eher zu einem zweiten Atlantis.
Es bleibt zu hoffen, dass Dubai als Staat die Finanzkrise im eigenen Haus zu bewältigen weiß. Bisher ist man davon ausgegangen, dass der Staat Dubai und andere Öl-Länder fast unbegrenzt kreditwürdig sind, und seine Staatsunternehmen voll unterstützt. Mit der Bitte um einen mehrmonatigen Zahlungsaufschub hat Dubai viel Vertrauen verspielt – hier ist Vertrauen wirklich Geld wert. Krisen haben es so an sich, dass sie nicht langsam vonstatten gehen, sonder Schockwellen auslösen, viel Zeit bleibt also nicht. The Palm ist etwas Neues und technisch sehr aufwändiges, es wäre schön wenn das Projekt doch noch Erfolg hat. Für die Zukunft des Terraformings lässt sich auf jeden Fall einiges lernen. Auch über dessen Sinn und somit Wert.
Alexander Venn, November 2009



