Stadtprojekte
Seoul Commune 2026 – Grüne Hochhäuser im Park
Seoul, Süd Korea: Großwohnsiedlungen sind nicht immer besonders attraktiv. Das Projekt Seoul Commune 2006 bringt Wohntürme in den Park und Parks in die Wohntürme. Eine im wahrsten Sinne grüne Wohnsiedlung wurde von Mass Studies kreiert. Noch handelt es sich um eine Studie.
Die Strukturen der 15 Wohntürme, die von 16 bis zu 53 Stockwerke hoch sind reichen von Kugeln über Kegel bis hin zu Röhren, die zum Teil oben ausfransen. Inspiriert sind die Formen von Lotus Vasen, gerade Kanten sind zumindest aus der Ferne nicht zu entdecken. Alle Wohntürme sind innen und insbesondere aussen bewachsen, womit sich die Türme in den Park einfügen. Einige Terrassen und Dächer sind derart bewaldet, dass man durchaus von Parks im Turm sprechen kann. Das Leben in einer solch grünen Architektur ist diametral verschieden zu den in Seoul gut bekannten Betonburgen, die zuweilen ohne jeden Charme sind. Hier soll ein Experiment gewagt werden.
Der soziale und gesellschaftliche Hintergrund für das Projekt ist die Aufhebung der strikten Trennung von öffentlichen und privaten Räumen, die ohne Verbindung zueinander stehen. Die Menschen müssen sich in den herkömmlichen Wohnblocks entscheiden, ob sie abgeschottet in ihrer Wohnung bleiben, oder sich in den Park begeben, der aber nicht zwangsweise kommunikationsfördernd ist. Die Commune 2026 will das ändern. In den Türmen soll ein Miteinander von privatem privat/öffentlichem und öffentlichem Raum stattfinden. Argumentiert wird mit einer schnell alternden Gesellschaft und einer Gesellschaft, die auch in der jüngeren Generation zunehmend aus Ein-Personen-Haushalten besteht und in der die Scheidungsraten steigen. Anscheinend ist das Projekt der Versuch, der Vereinsamung in den hochverdichteten Wohnsiedlungen entgegen zu wirken. Zu der Idee gehört wohl, dass man einen eigenen großzügigen Schlaf- und Baderaum bewohnt, der Essensraum und das Wohnzimmer aber Gemeinschaftsräume sind. Das Ganze allerdings mit Komfort und Stil, also weniger Studentenwohnheim, sondern mehr Hotel oder gepflegte WG.
Auf die urbane und individualisierte Alterung der Gesellschaft hingewiesen, umgeht man so möglicherweise das Problem, Unmengen von Altersheimen bauen zu müssen. Wenn man es schafft, die individualisierte Gesellschaft wieder generationenübergreifend zusammenzuführen, dann erreicht man möglicherweise in Megametropolen wie Seoul so etwas wie einen dörflichen Charakter. Das Areal der Commune 2026 in Apgujng-dong, Kangnam-gu, Seoul ist immerhin 393,400 qm groß uns ist direkt am Fluß Han gelegen. Die Lage ist zentral und am Wasser. Der Name „Commune“ ist offenbar Programm.
Es geht eben nicht nur um grünes Bauen als Symbol für Nachhaltigkeit mit nachweislicher ökonomischer Effizienz, sondern auch um eine bessere Welt im Kleinen, eingebettet im großen und faszinierenden urbanen Raum.
Alexander Venn, Februar 2009
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