Stadtprojekte
SPIEGEL-Neubau erhält Umweltzertifikat Gold
Der SPIEGEL-Neubau in der Hafen-City hat schon vorab den ökologischen Gold-Standard erreicht. Die HafenCity Hamburg GmbH vergibt das Zertifikat für besonders nachhaltige Bauvorhaben. Der Name „HafenCity Umweltzeichen“ ist Programm und ökonomisch sinnvoll.
Der Neubau der SPIEGEL-Zentrale wird von der Robert Vogel GmbH&Co. KG gebaut. Das Architektenbüro Henning Larsen Architects hat den recht luftigen, aber doch 1200 Menschen Platz bietenden Bau entworfen. Am 25. November 2008 war Grundsteinlegung, die Fertigstellung ist für 2010 avisiert.
Das Umweltzertifikat umfasst fünf Kategorien:
1. Nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen (Gesamt-Primärenergieverbrauch)
2. Nachhaltiger Umgang mit öffentlichen Gütern
3. Einsatz umweltschonender Baustoffe
4. Besondere Berücksichtigung von Gesundheit und Behaglichkeit
5. Nachhaltiger Gebäudebetrieb
Um das begehrte Zertifikat in Gold erhalten zu können, muss in 3 von 5 Kategorien Gold errungen werden. Belohnt wird also die „außergewöhnliche Leistung“, Silber gibt es für „besondere Leistung“ im Sinne des nachhaltigen Bauens.
Das neue SPIEGEL-Gebäude wird 100 kWh/qm/Jahr Primärenergie verbrauchen, das ist vergleichsweise wenig. Im neuen Frankfurter „Hochhausrahmenplan 2008“ werden 150 kWh/qm/a veranschlagt. Um dieses Ziel zu erreichen, wird im SPIEGEL-Haus eine Dreifachverglasung eingesetzt, 70 Erdsonden fungieren in 100 Metern Tiefe als Wärmetauscher und Photovoltaikanlagen senken den Primärenergiebedarf weiter herab. Man setzt also auf neueste Umwelttechnik. Die Architektur ist offen und in Teilbereichen öffentlich zugänglich, womit das Gebäude zum Teil den Charakter eines öffentlichen Gutes aufweist. Erstaunlicherweise werden Fensterrahmen wohl wieder aus Holz gefertigt, es ist wohl möglich auf Kunststofffenster zu verzichten und dennoch gute Dämmleistungen zu erreichen. Pollenfilter und der Verzicht auf Lösungsmittel dienen mit Sicherheit der Behaglichkeit und senken die krankheitsbedingten Kosten. Hinzu werden die laufenden Betriebskosten von vorne herein als relativ niedrig berechnet und zukünftig ständig optimiert.
Ein Gebäude, das 1200 Menschen beherbergt, ist recht komplex und bietet Gelegenheit, hier und da an gewissen energetischen Stellschrauben zu drehen. Für die Architekten und Entwickler wird sich eine positive Lernkurve ergeben. Die Erlangung eines Umweltzertifikates senkt also nicht nur die betriebswirtschaftlichen Kosten im Einzelfall, sondern hilft auch die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten zu senken, weil bei jedem Neubau die gewonnenen Erkenntnisse neu und optimiert angewendet werden können. Auch wenn die Anfangsinvestitionen höher ausfallen, rechnet sich das nachhaltige Engagement langfristig. Beim nächsten Boom werden die fossilen Energien wieder Teuerungsrunden einlegen. Relativ zu den gewerblichen Bestandsbauten wird man von Anfang an besser abschneiden. Das jährlich eingesparte Kapital kann dann produktiv und nicht verbrauchsorientiert eingesetzt werden. Niedrigere Nebenkosten sind ein Wettbewerbsvorteil.
Das Zertifikat hat noch eine andere Wirkung, die besonders dann auffällt, wenn der Bauträger die Nutzung noch nicht festgelegt hat. Es wird ihm mit dem Umwelt-Zertifikat deutlich leichter fallen, Mieter, Käufer oder Investoren zu akquirieren, wenn er alle positiven Effekte schwarz auf weiß vorlegen kann. Das gilt auch während der Bauphase. Das Zertifikat kann man schon vor der Fertigstellung erwerben. Das macht in so fern Sinn, als dass man sich schon in der frühen Planungsphase ganz konkret um die Erfüllung der Anforderung des Labels bemüht. Es ist ein vorzeigbares Verkaufsargument, das unter allen Umständen realisiert werden muss.
Grün ist zwar immer gut, aber noch viel besser ist es, wenn es sich rechnet.
Alexander Venn, Februar 2009
Bildrechte: Illustration: Henning Larsen Architects; Quelle: HafenCity Hamburg GmbH



