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Weissach will Energieplusgemeinde werden

Informationsportal: Urbanisierung & Stadtentwicklung & Grüne Stadt ___________Friday, 10 . Feb . 2012 | KW06

Stadtprojekte

Weissach will Energieplusgemeinde werden


Großdächer erhalten Fotovoltaikanlagen. Ein Energieplushaus-Musterhaus soll Nachahmereffekte generieren. Energie als kommunale Nebeneinnahme.

Weissach ist eine Gemeinde mit 7600 Einwohnern. In 217 Arbeitsstätten sind rund 3.370 Personen beschäftigt, davon sind 50% Einpendler. 2300 Menschen der Gemeinde sind Auspendler, die ihr Geld in Stuttgart und Leoberg verdienen. Alles in allem geht der Gemeinde gut. Der Schuldenstand konnte von 49,74€ / Einwohner in 2001 auf 25,40€/E in 2006 gesenkt werden. Rücklagen waren 2006 in Höhe von 23 Mio. € vorhanden. Eine gesunde Gemeinde, die sich durchaus ambitionierte Ziele setzen kann.

Die Bürgermeisterin formulierte das Ziel, in Zukunft Energieplusgemeinde zu werden. Es soll im Gesamten mehr Energie erzeugt werden als für Warmwasser, Heizung und Strom verbraucht wird. Energienebenkosten sollen zu einem Nebenerwerb werden. Die Stadt will ein Plusenergie-Musterhaus errichten, um Impulse zum Nachahmen zu geben. Die öffentlichen Gebäude, Sporthalle, Schule werden nebenbei kommunale Stromerzeuger, einige der Gebäude werden auch schon konkret benannt in einem Pressebericht der Stuttgarter Zeitung vom 10.12.2008.

In den derzeitigen Debatten um Konjunkturprogramme, drohenden Energieengpaß, CO2 Vermeidung, kommunale Finanzen, Energieautarkie kombiniert mit Energieimportabhängigkeit kommt eine solche Zielsetzung gerade rechtzeitig. Aus kommunaler Sicht erfüllen die energetischen Investitionen in die eigenen Zweckgebäude gleich mehrere Ziele. Die regionale Beschäftigung wird erhöht, stärkere Unabhängigkeit von den großen Energieversorgern, antizyklische Wirtschaftspolitik stabilisiert Beschäftigung und Einkommen der Bevölkerung. Ein Teil der Investitionssumme kommt somit über die Einkommens- und Gewerbesteuer der regionalen Wirtschaft wieder zurück in den Haushalt. Die Aussicht auf mehrere Großaufträge läßt die Gemeinde bei den Preisverhandlungen und Qualitätsstandards besser dastehen. Ein Programm ermöglicht im Vergleich zu spontanen Einzelaufträgen Kostenersparnisse sowohl beim Einkauf, als auch beim Lernaufwand für die Organisation, Abstimmung und Kontrolle. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine sorgt ja nun auch für gewisse Ängste in europäischen Haushalten. Eine Heizung, die im Winter nicht funktioniert, weil kein Gas mehr angeliefert wird, gibt dem Wunsch nach einer einigermaßen funktionierenden Energieautarkie einiges an Aufwind. Die Knappheit muss gar nicht mal eintreten, die Drohung allein hat schon einen sehr starken Effekt auf die politische Diskussion um die Energieversorgung.

Die Umstellung auf Energieeffizienz bis hin zur kommunalen, dezentralisierten Energieerzeugung kostet Geld. Wenn alles läuft wie gehabt, sind die Widerstände gegen diese Reform-Ausgaben höher als bei einer Bedrohung an mehreren Fronten. Insofern spielen Beschäftigungsbedrohung, Importabhängigkeit und Klimawandel eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Ziele. Die energetische Zukunft von Weissach lohnt sich, weiterverfolgt zu werden.
Gehört die Zukunft den Enegieplus-Häusern?

Alexander Venn, Januar 2009

Das Energieplushaus im ZDF
Pressebericht in der Stuttgarter Zeitung auf www.plusenergiehaus.de


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